
Auszug ” Energiespektrum”
»Die Unternehmen sollten sich von der alten Maxime lösen, dass mehr Energieabsatz mehr Gewinn bringt«, sagt Martin Handschuh, ebenfalls Partner in der Utility Practice bei A.T. Kearney. »In der Energiewelt von morgen könnte es mehr Gewinn bringen, dem Kunden dabei zu helfen, weniger Strom und Gas zu verbrauchen.«
Entscheidend für eine erfolgreiche Restrukturierung sei, dass auch kleine und mittlere Versorger die reine Bestandsverwaltung hinter sich lassen und an den neuen Wachstumsmöglichkeiten teilhaben. Dazu gehöre der Vertrieb von Smart Metern ebenso wie die Entwicklung von Angeboten zur Nachfrage-Steuerung beim Kunden.
Im Bereich Contracting und Energiemanagement sieht auch VKU-Präsident Stephan Weil für Stadtwerke Potenzial. »Ihre Präsenz vor Ort und ihre langjährige Erfahrung im Versorgungsgebiet qualifizieren sie für die Rolle als Energieeffizienzexperten. Gerade der Contracting-Markt ist eine Goldgrube, da viele Claims noch nicht abgesteckt sind.«
Dass sich ein Bewusstseinswandel anbahnt, stellt Wolfgang Haag von A.T. Kearney, Leiter einer Studie zum Trend Partizipative Energiewirtschaft, fest: »Beispiele wie die Volkskraftwerke von Lichtblick und Volkswagen zeigen, dass bei Privatkunden zunehmend der Wunsch wächst, die eigene Energieversorgung aktiv mitzugestalten, aber auch Unternehmen eine größere Eigenständigkeit erreichen möchten, um die Abhängigkeit von Brennstoffen für die Wärmeerzeugung zu verringern.« Durch diesen Trend seien nachhaltige strukturelle Veränderungen der gesamten Wettbewerbslandschaft zu erwarten. »Viele Unternehmen haben das Phänomen bisher jedoch noch nicht ausreichend ernst genommen.«
Für die Energieversorger gilt es laut Studie, bestehende Angebote rund um Energiedienstleistungen und dezentrale Erzeugung weiterzuentwickeln. Denn in den neuen Geschäftsmodellen sind etwa spezialisierte Energiedienstleister, Anlagenanbieter sowie Handwerksunternehmen relevante Wettbewerber.